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Schmerz beim Tier III

Gerald H. aus Manacor fragt:

Sie schreiben über Schmerz und über die Erkenntnisse der Schmerzempfindung bei Tieren. Wie weit werden diese Erkenntnisse denn in der Tiermedizin umgesetzt?

 

Lieber Gerald!


Leider werden diese Erkenntnisse noch nicht umfassend genug eingesetzt! Vor allem in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion wird die Schmerzlinderung bzw. -ausschaltung nach wie vor durch den wirtschaftlichen Wert eines Tieres vorgegeben. Und solange sich das Tierschutzbewusstsein des Verbrauchers nicht auch auf den Nahrungsmittelkonsum ausdehnt, werden operative Eingriffe bei Nutztieren weiterhin nach Wirtschaftlichkeitsaspekten – und damit ohne Schmerzkontrolle bzw. Anästhesie – durchgeführt.
Ganz anders als bei uns in der Kleintiermedizin!
Die gegenwärtigen Kenntnisse der Schmerzpathologie und die Verfügbarkeit modernster Medikamente auch in der Tiermedizin ermöglichen uns heute, Schmerzlinderung, Schmerzvorbeugung, Schmerztherapien und postoperative Fürsorge gezielt und effizient einzusetzen.
So ist es beispielsweise von größter Bedeutung, absehbare Schmerzen, wie etwa nach einer Operation, gar nicht erst entstehen zu lassen. Moderne Operationsprotokolle beinhalten dementsprechend prä-, per- und postoperative analgetische Behandlungsschemata. Übersetzt heißt dies, dass entsprechende Schmerzmittel nicht nur nach, sondern bereits vor und auch während einer Operation verabreicht werden müssen, wenn man einen optimalen Behandlungserfolg erzielen möchte.
Auch der Kontrolle chronischer Schmerzen, wie beispielsweise arthrotische Erkrankungen beim Hund, wird heutzutage mehr Bedeutung beigemessen. Durch die Erkenntnis, dass ein fortlaufendes Entzündungsgeschehen sowohl für die Schmerzentwicklung als auch für die Verschlechterung der Gelenkfunktionen verantwortlich ist, gibt es auf dem pharmakologischen Markt – auch in der Veterinärmedizin – heute entzündungshemmende Medikamente, die ein wesentlich größeres Sicherheitsprofil vorweisen. Konkret bedeutet das, dass bei einer Dauerbehandlung wesentlich weniger Nebenwirkungen auftreten.
Durch die überzeugenden Erfolge, Gerald, hat der Einsatz moderner Schmerztherapeutika in den letzten Jahren in der gesamten Kleintiermedizin Einzug gehalten. Bleibt zu hoffen, dass auch bei der Behandlung von Tieren in der Lebensmittelproduktion eine Änderung eintritt. Sicherlich sind kurzfristig keine wesentlichen Veränderungen der sozialen Ethik bei landwirtschaftlichen Nutztieren zu erwarten. Aber vielleicht setzt sich wenigstens die Erkenntnis durch, dass auch Schmerzfreiheit der Produktivität förderlich sein kann.