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Schmerz beim Tier I

Horst G. aus Porto Colom fragt:

Wir hatten kürzlich eine „Stammtisch-Diskussion“ über Schmerzempfindlichkeit bei Tieren.
Durch den Tatbestand, dass ein Tier nicht reden kann, wird doch allerlei Unnatürliches in die Kreatur hineininterpretiert. Ich glaube, dass auch das Schmerzempfinden sehr vermenschlicht wird. Wie denken Sie darüber?

 

Lieber Horst!


Die internationale Gesellschaft für Schmerzforschung (IASP) hat den Begriff Schmerz, zumindest für uns Menschen, genau definiert. Er gilt als „unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit tatsächlichen und/oder möglichen Gewebeschäden verbunden ist“.

Das umfangreiche Wissen, das über die neuroanatomischen und neurophysiologischen Merkmale existiert, wurde in den letzten Jahrzehnten immer mehr auch auf die Tierwelt ausgedehnt. Dabei haben die Forschungsergebnisse gezeigt, dass die Schmerzphysiologie beim Tier der des Menschen sehr ähnlich ist. Das bedeutet, dass Tiere – trotz der Unfähigkeit der verbalen Äußerung – Schmerzen sehr ähnlich empfinden müssen wie der Mensch.

Tatsächlich hat man früher angenommen, dass Tiere in ihrer Entwicklungsstufe auf einem viel niedrigeren Niveau als der Mensch stehen und daher auch kein vergleichbares Schmerzempfinden haben können. Übriges hat man das Gleiche auch von Säuglingen vermutet! Das hat in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts dazu geführt, dass sowohl in der Neugeborenen-Medizin als auch in den Versuchstierlaboren grauenvolle Dinge an Lebewesen durchgeführt wurden, die keinerlei Betäubung oder Schmerz unterdrückende Medikation erhielten. Die heftigen Abwehrbewegungen und Lautäußerungen, die während oder nach Behandlungen von diesen wehrlosen Wesen auftraten, sah man wissenschaftlich allgemein als Reaktionen des autonomen Nervensystems oder als unkontrollierte Muskelzuckungen an. Glücklicherweise konnte dann gegen Ende des 20. Jh. klar belegt werden, dass sowohl Babies als auch Tiere die gleichen Schmerzen empfinden wie Menschen, die einer Sprache mächtig sind.

Trotz allem sollten wir Tiere aber nicht vermenschlichen, Horst, da haben Sie mit Sicherheit Recht. Die Schmerzempfindlichkeit ist wahrscheinlich nicht so komplex wie bei uns Menschen, wo die Psyche einen Großteil des Unbehagens ausmachen oder potenzieren kann. Ein Tier lebt in der Gegenwart, im „Hier und Jetzt“ und hat daher auch keine Erwartungshaltung an einen eventuellen Schmerz. Aber im Gegenzug kann es dadurch auch nicht überblicken, wann der Schmerz zu Ende sein wird oder in welchen Zusammenhang er auftritt. Das Tier versteht nicht, warum es eine Spritze bekommt, warum es operiert wird, dass es danach besser sein wird, oder dass durch einen kleinen Schmerz Schlimmeres verhütet werden kann.

Ein Tier kann seine Schmerzen nicht beschreiben. Wir wissen lediglich, dass es Schmerzen ähnlich empfindet wie wir. Deswegen sollten wir alle uns gut überlegen, was wir einem Tier antun können und was nicht. Ich bin der Meinung, dass wir im Zweifelsfall immer zugunsten des Tieres entscheiden sollten.