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Bißverletzungen

Michael G. aus Sa Pobla fragt:

Unsere zwei Hunde haben sich wieder einmal gekabbelt. Beide haben etwas geblutet, aber am nächsten Tag sah man schon nichts mehr. Da unsere Katze nach einer Beißerei einmal jedoch nach fast 1 Woche ernste Probleme bekommen hat, bin ich mir unsicher, ob ich nicht doch noch zum Tierarzt gehen sollte?

 

Lieber Michael!


Ich würde Ihnen raten, die Hunde untersuchen zu lassen. Bissverletzungen werden in ihrer Bedeutung sehr oft verkannt, da die kleinen Hautwunden, die durch die spitzen Zähne verursacht werden, meist in keinem Verhältnis zu den schweren darunterliegenden Verletzungen stehen. Aber vor allem wissen die wenigsten, dass das Infektionsrisiko bei Bissverletzungen äußerst hoch ist.
Um das Problem besser verstehen zu können, sollte man sich Herkunft und Mechanismus der Bissverletzung vor Augen führen. Die Herkunft ist für jeden offensichtlich: Es handelt sich immer um die Maulhöhle, in der bekanntermaßen eine Besiedelung mit sehr vielen unterschiedlichen Bakterien vorliegt. Eine große Anzahl dieser Bakterien gelangt bei einem Biss in die Wunde. In der Gefährlichkeit ihrer bakteriellen Mundflora liegen Mensch und Affe ganz vorne. Menschenbisse können wegen ihres besonderen Keimspektrums beim Opfer enorme Probleme auslösen.
Beim Mechanismus von Bissverletzungen handelt es sich um Stich- und/oder Quetschtraumata. Durch die hohe Krafteinwirkung beim Hundebiss entsteht in der Regel eine lokale Gewebequetschung, bei der u. U. große Bereiche von Zellverbänden zerstört oder sogar abgebissen werden. Bei Katzen überwiegen punktionsartige Stichverletzungen, bei denen Speichel - und damit Bakterien- sehr tief in die Verletzung eingeführt wird. Durch die Tiefe und die spitzen Zähne wird das eigentliche Verletzungsmuster häufig durch die übereinander liegenden unterschiedlichen Gewebeschichten verdeckt. So ist es oftmals gar nicht möglich, den Stichkanal zu untersuchen bzw. überhaupt zu finden. Das Risiko, dass sich durch eingedrungene Mikroorganismen eine Infektion entwickelt, ist äußerst hoch.
Bei Quetschverletzungen haben wir meist verschmutzte, aufgefaserte und geschwollene Wundränder, in die Bakterien ebenfalls leicht eindringen können. Für den Laien ist es sehr schwer zu beurteilen, ob es sich um eine Bagatellverletzung handelt oder nicht. Gerade verdeckte Fett-, Muskel- und Bindegewebsverletzungen, bei denen eine Blutung nach außen fast vollständig fehlt, werden in der Regel in ihrer Gefährlichkeit unterschätzt. Die Folgen sind Abszessbildungen oder die Ausbreitung von Infektionen. Je länger die Zeitdauer zwischen Verletzung und tierärztlicher Behandlung ist, desto höher ist die Infektionsrate. Das hängt damit zusammen, dass bei schneller Erstversorgung ein großer Teil von Schmutz, Futterresten und Keimen aus der Wunde entfernt werden können. Die Verletzung wird anhaltend und intensiv gespült, wobei der Stichkanal u.U. chirurgisch erweitert werden muss. Je nachdem, wo die Verletzung am Körper lokalisiert ist, müssen Quetschwunden operativ aufgefrischt werden, um gesunde, frisch blutende Wundflächen zu erhalten. Auf diese Weise ist auch bei vielen Bissverletzungen ein sofortiger chirurgischer Wundverschluss möglich.
Allerdings stellen die primären Verletzungen selten ein chirurgisches Problem dar, im Vordergrund steht meist die sekundäre Wundinfektion. Handelt es sich um Bisse mit ausgedehntem Weichteiltrauma und/oder großflächigen Verletzungen, bei denen sich eine Ansammlung von Wundsekret nicht verhindern lässt, muss bei spannungsfreiem Hautverschluss eine Abflussöffnung mit geeignetem Drainagesystem angelegt werden.
Die tierärztliche Versorgung wird zusätzlich immer von einer Antibiose begleitet, auch wenn das Infektionsrisiko gering erscheint. .
Letztendlich, Michael, ist die Entwicklung von Infektionen bei Bissverletzungen immer von verschiedenen Faktoren abhängig, beispielsweise von der Keimzahl der Mundflora, der Bösartigkeit der Erreger, der Lage und Tiefe der Verletzung, von Art und Umfang der Gewebezerstörung, sowie der Immunitätslage des Patienten. Daher sollten Sie sich nicht scheuen, auch nach einer "Kabbelei" vorsichtshalber fachlichen Rat einzuholen.