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Geschlechtsbestimmung beim Vogel

Anna Sch. aus Cala Millor fragt:

Wir leben erst seit kurzem in Mallorca und möchten uns gerne ein Pärchen exotischer Vögel anschaffen. Wir haben gehört, dass man an den Federn erkennen kann, welches Geschlecht die Vögel haben. Wir möchten gerne von Ihnen wissen, wie diese Geschlechtsbestimmung funktioniert.

 

Liebe Anna!


Sie haben Recht, obwohl Vögel keine äußeren Geschlechtsorgane haben, kann man bei vielen Arten am Federkleid erkennen, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Vogel handelt. Aber nicht nur die Gefiederfarbe, sondern auch Form oder Farbe des Schnabels, Form oder Größe des Kopfes und auch Balzgesänge können eindeutige Hinweise zur Geschlechtsbestimmung liefern. Ein gutes Beispiel hierfür sind Stockenten, die weit verbreitet sind und die wahrscheinlich jeder kennt. Der Erpel ist, insbesondere zur Balzzeit, an seinen glänzenden grünen und blauen Federn erkennbar, während das Weibchen unauffällig und unscheinbar braun meliert bleibt. Damit passt sich die Ente perfekt ihrer Umgebung an und kann durch ihre Unauffälligkeit Gelege und Brut vor Feinden schützen. Bei exotischen Vögeln, in deren Heimat die natürliche Umgebung völlig anders gefärbt sein kann, sind die Unterschiede oftmals nicht so deutlich. Trotzdem kann man einen männlichen Wellensittich anhand seiner blau gefärbten Nasenwachshaut sehr gut vom Weibchen mit einer braunen Nasenhaut unterscheiden. Auch bei Nymphensittichen unterscheiden sich Männchen und Weibchen deutlich voneinander. Das Männchen erkennt man an der gelben Haube, dem orangefarbenem Ohrfleck und der gelben Kopfregion. Beim Weibchen sind Haube und Kopfregion grau und es hat einen matt gefärbten Wangenfleck und eine typische Querbänderung an der Schwanzfederunterseite. Man bezeichnet diese eindeutigen äußerlichen Unterscheidungsmerkmale als Geschlechtsdimorphismus. Schwieriger wird es bereits, wenn es sich um eine Vogelart handelt, die in verschiedenen Farben gezüchtet wird. Aber selbst bei Farbmutationen kann ein erfahrener Züchter meist noch an der äußeren Erscheinung, an der Kopfform oder an der unterschiedlichen Form der Beckenknochen unterscheiden, um welches Geschlecht es sich handelt. Viel schwieriger oder unmöglich wird die Geschlechtsbestimmung jedoch bei Vögeln, die einen so genannten Geschlechtsmonomorphismus aufweisen. Dabei handelt es sich um Vögel, bei denen das äußere Erscheinungsbild von Männchen und Weibchen identisch ist. Beispielsweise gehören Störche, viele Eulenvögel und Taubenarten zu dieser Kategorie. Auch bei den Exoten gibt es viele monomorphe Vögel. So lassen sich beispielsweise bestimmte Sitticharten, wie Pennantsittiche oder Katharinensittiche, und etliche Papageien, wie Graupapgeien, Aras oder einige Kakadus, äußerlich vom Geschlecht her nicht unterscheiden. Um bei diesen Tieren die Geschlechtsunterschiede festzustellen, war man bisher auf die endoskopische Untersuchung angewiesen. Dabei wird am betäubten Vogel seitlich hinter den Rippen ein winziger Schnitt durch die Haut und Bauchwand gesetzt. Da weibliche Vögel nur links einen Eierstock besitzen, wird dieser Eingriff immer auf der linken Seite vorgenommen. Dann wird eine kleine, starre Sonde, die mit einer Optik versetzt ist (ein so genanntes Endoskop) eingeführt. Auf diese Weise kann man die im Körperinneren liegenden Geschlechtsorgane betrachten und somit das Geschlecht bestimmen. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass auch andere Organe betrachtet und damit manche Erkrankungen erkannt werden können. Allerdings kann es bei Jungtieren, bei denen die Geschlechtsorgane noch nicht vollständig entwickelt sind, sehr schwierig sein, genaue Aussagen zu treffen. Nachteilig ist außerdem,dass beim empfindlichen, schockanfälligen Spezies Vogel auch immer ein bestimmtes Narkoserisiko besteht.
Seit einiger Zeit wird die Endoskopie zunehmend von einer anderen Methode abgelöst, die auf DNA-Technologie beruht. Für jeden privaten Vogelhalter, also auch für Sie, Anna, ist die DNA-Analyse zur Geschlechtsbestimmung die geeignete Methode. Das Verfahren ist kostengünstig, zuverlässig und für das Tier ungefährlich. Durch ein molekulargenetisches Verfahren, der so genannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR), lässt sich das Geschlecht unabhängig vom Alter und der Geschlechtsreife bestimmen. Dazu wird der gesuchte Genabschnitt millionenfach vervielfältigt und dadurch sichtbar gemacht. Dies ermöglicht eine Erbgutanalyse mit geringem Ausgangsmaterial. Bei dem am häufigsten angewendeten Verfahren werden zwei Genabschnitte, die mit der weiblichen bzw. männlichen Geschlechtsausprägung verknüpft sind, mittels PCR vervielfältigt. Darauf folgt das Aufschneiden dieser Abschnitte mit verschiedenen Enzymen . Ein Enzym spaltet nur das weibliche, ein anderes Enzym nur das männliche Fragment. Beim (elekrophoretischen) Nachweis dieser Spaltprodukte entstehen dann typische Muster, die eindeutig einem weiblichen oder männlichen Tier zugeordnet werden können. Außer bei Laufvögeln, wie z. B. Straußen, die primitivere Geschlechtschromosomen besitzen, ist dieses Testprinzip auf alle Vogelarten anwendbar. Als Ausgangsmaterial reichen wenige Körperzellen des Vogels, d. h. zwei bis drei Tropfen Blut oder einige Federkiele, die erbguthaltiges Zellmaterial enthalten. Geeignet sind Schwung- oder Schwanzfedern bzw. Federn aus dem Brustgefieder, deren Kiele noch bluttragend sind. Das Probenmaterial wird an ein entsprechendes Labor verschickt und die Ergebnisse sind nach wenigen Tagen verfügbar.